Deutschland

Ehemaliger Merkel-Berater: Gibt kein Konzept im Ukraine-Konflikt

Er war einer der militärischen Berater Angela Merkels. Erich Vad kritisiert im Interview die fehlende Strategie der deutschen Politik im Ukraine-Krieg. Es gebe keine konkrete Zielvorstellung. Zudem werde die Diskussion in Deutschland einseitig, ohne Sachkenntnis und unehrlich geführt.
Ehemaliger Merkel-Berater: Gibt kein Konzept im Ukraine-KonfliktQuelle: www.globallookpress.com © Evgeny Biyatov

Russland hat im Westen hochaggressive Nachbarn, die das Land mehrfach überfallen haben. Aus strategischen Gründen benötigt Russland daher einen Sicherheitspuffer an seiner Westgrenze und dieser Puffer ist die Ukraine. Mit der Einladung zum NATO-Beitritt hat der Westen gegen Russlands Sicherheitsinteressen verstoßen und den Krieg provoziert. So lassen sich die Aussagen zu den Gründen des Ukraine-Kriegs zusammenfassen, die der ehemalige Militärberater Merkels, Erich Vad, in einem Interview mit der Berliner Zeitung macht. 

"Moskau hat im Ukraine-Krieg das Ziel, einen NATO-Beitritt der Ukraine und die Stationierung westlicher Truppen in der Ukraine zu verhindern. Strategisch und geopolitisch gesehen geht es Russland darum, über eine Sicherheitszone zur NATO zu verfügen. Russland weiß aus der historischen Erfahrung seit dem Feldzug Napoleons 1812 und zweier großer Kriege im 20. Jahrhundert, dass es von der nordeuropäischen Tiefebene aus am ehesten angegriffen werden könnte und dort entsprechend verletzlich ist."

Der von deutschen Politikern vielfach erhobenen Behauptung, Russland verfolge imperialistische Ziele, erteilt er damit eine Absage. Auch ein Überfall Russlands auf Deutschland sei nicht zu erwarten. Mit der deutschen Politik geht der Sicherheitsexperte hart ins Gericht. Es bestehe kein konkreter, realistischer Plan, wie der Konflikt zu beenden sei. Stattdessen überbiete man sich in Kriegsrhetorik, ohne einen Beitrag zur Konfliktlösung zu leisten. Friedensinitiativen kämen aus allen Teilen der Welt, nur aus Deutschland und der EU nicht. 

"Etwa vor einem Jahr erklärte die Bundesregierung: 'Wir liefern Panzer, um die Kriegswende herbeizuführen.' Das war damals schon kurzsichtig: Waffen zu liefern, ohne zugleich realistische politische Ziele zu definieren. Bis vor Kurzem lautete eine Parole sogar, die Ukraine solle die Krim und den Donbass zurückerobern. Das gab und gibt die Lage überhaupt nicht her. Es ist sinnlos, Krieg zu führen, ohne zuvor realistische politische Ziele zu setzen. Das wusste übrigens schon Clausewitz."

Es fehle insgesamt an einer konsistenten Strategie. Da aus Deutschland und der EU keine realistische Initiative zur Lösung des Konflikts zu erkennen sei, liege die Entscheidungshoheit letztlich in Moskau und Washington.

In Washington setzt man deutlich erkennbar inzwischen andere Prioritäten. Das berge die Gefahr, dass Deutschland am Ende in ähnlicher Weise düpiert werde, wie beim überhasteten Abzug der USA aus Afghanistan. 

"Im Endeffekt wird also über das Schicksal der Ukraine in Washington und Moskau entschieden werden. Wir Europäer müssen aufpassen, dass wir nicht in einem Jahr so überrascht und blank dastehen wie beim überhasteten Abzug aus Afghanistan 2021. Es ist nämlich nicht unwahrscheinlich, dass im Laufe des Jahres der Konflikt in der Ukraine einfriert."

Die deutsche Debatte über den Krieg in der Ukraine beschreibt Vad als einseitig und holzschnittartig. Der Korridor des Sagbaren sei in Deutschland sehr eng. Er beklagt zudem die mangelnde Kompetenz der Teilnehmer an diesen öffentlich inszenierten Diskussionen um immer weitere Waffenlieferungen. 

"Was mich persönlich belastet, ist, dass die den Kriegsdienst leistenden jungen ukrainischen und russischen Soldaten tausendfach verheizt werden in einem Krieg, für den es keine militärische Lösung gibt. Ich finde es eigenartig, dass am Krieg unbeteiligte Deutsche die größten ukrainischen Patrioten zu sein scheinen. Politiker, die keinen Militärdienst geleistet und jahrzehntelang pazifistisch argumentiert haben, wollen plötzlich für die Ukrainer alles geben und am liebsten 'all in' gehen."

Erich Vad war für seine zwar sachkundige Meinung, die aber von der veröffentlichten Meinung stark abweicht, vielfach kritisiert und mit einer Schmutzkampagne überzogen worden. Es ist das erste Mal seit einem Jahr, dass er sich wieder zu Wort meldet. 

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