Meinung

Drohnen, Drohnen, Drohnen allüberall

Unsere tägliche Drohne gib uns heute ... Also, jetzt lag da was in Niedersachsen herum. Dabei ist gar kein russisches Konsulat mehr übrig, das man deswegen schließen könnte. Offenkundig muss die Suppe einfach am Kochen gehalten werden.
Drohnen, Drohnen, Drohnen allüberall© Urheberrechtlich geschützt

Von Dagmar Henn

Langsam müsste das doch durch sein – schließlich wird die Drohnennummer schon seit mindestens zwei Jahren gespielt. Wobei Leipzig zugegeben ein ganz besonders aufgeblasenes Nichts war. Das im Zusammenhang mit dem vom ukrainischen Journalisten Anatoli Scharij verbreiteten Zeugnis natürlich besondere Würze besitzt. Schließlich erklärt dessen Zeuge, es seien sehr schnell Medien vor Ort gewesen, und das mitten in der Nacht auf einem abgesicherten Gelände – das ist ohne Vorwissen gar nicht möglich, denn für nichts stellt sich kein Kollege nachts auf einen Flughafen.

Irgendwie hat wohl Leipzig nicht genügt, wenn jetzt eine Drohne in Niedersachsen auftaucht. Am Steinhuder Meer. Zufällig ein Ausflugsziel, der größte See im Norden, also eine Umgebung, in der es – anders als bei manch anderem Standort der Bundeswehr – durchaus landschaftliche Gründe gibt, eine Drohne fliegen zu lassen. Aber es sind eben auch in der Nähe von Wunstorf Bundeswehrstandorte, weshalb man da wohl sofort an böse Absichten dachte statt an Urlaubsaufnahmen.

Nebenbei, Deutschland ist ein sehr dicht besiedeltes Land. Um einen Punkt zu finden, an dem sich in einem Umkreis von zehn Kilometern kein Standort der Bundeswehr oder der US-Armee befindet, muss man sich schon tief ins Hinterland östlicher Bundesländer zurückziehen – vorausgesetzt, man ignoriert alle übrigen Objekte, die theoretisch von militärischem Interesse sein könnten, wie Kraftwerke, Brücken oder Industrieanlagen. Anders formuliert, man kann irgendwo in Deutschland eine Drohne fallen lassen, mit ein bisschen Geschick lässt sich daraus immer eine Bedrohung konstruieren.

(Das war das Ergebnis einer KI-Abfrage. Auf die Frage, an welchen Punkten in Deutschland man mindestens zehn Kilometer von eventuell problematischen Objekten entfernt sei, lautete die Antwort: "In Deutschland gibt es praktisch keine Punkte, an denen im Umkreis von 10 km weder ein Bundeswehr-Standort noch ein US-Standort noch irgendein Objekt von potenziell militärischem Interesse liegt. Schon bei 5–8 km wird es in den meisten Regionen eng.")

Sofern es diese Drohne tatsächlich gibt, was ja bei den wie üblich reichlich gelieferten Belegen nicht einmal sicher ist.

Übrigens auch nicht dadurch, dass es heißt, die Bundesanwaltschaft habe die Ermittlungen übernommen. Die macht das gern und scheint an einem eklatanten Mangel an echten Aufgaben zu leiden, wenn man ihre Leistungen der letzten Jahre so Revue passieren lässt. Das ganze Spektakel des Rollatorputsches, das sie auch ausgelöst hat und weiter betreibt, wäre in rationaleren Zeiten von einer Provinzstaatsanwaltschaft stillschweigend beerdigt worden. Aber die Karlsruher stecken lieber einen Haufen Rentner in einen Hochsicherheitsknast und bespielen sie jahrelang mit einem Terrorprozess wegen – nichts. Die machen noch aus einem Papierflieger einen Terroranschlag. Oder aus einem Waldspaziergang eine Verschwörung zum Umsturz.

Es wäre ja langsam wirklich interessant, was diese Späße mittlerweile so gekostet haben. Nur mal so als Hausnummer: Von den 25 Angeklagten sitzen die meisten seit Dezember 2022 in Untersuchungshaft. Bei realistischen Kosten pro Hafttag und Person zwischen 300 und 350 Euro und inzwischen 1.380 Hafttagen robbt sich das pro Nase langsam an eine halbe Million Euro heran, das wären also zehn Millionen nur fürs Menschenquälen. Dazu kommt dann mindestens eine Million für die Halle, die für den Frankfurter Teil des Prozesses gebaut wurde, die Kosten für ein paar Dutzend Anwälte, 45 Sicherheitskräfte pro Verhandlungstag und dazu dann noch Fahrtkosten für Zeugen, die Kosten für Gutachter etc. Also allein für diese Luftnummer zieht die Bundesanwaltschaft mindestens zwölf Millionen Euro aus dem Steuersäckel.

Das kann man natürlich für eine Form der Wirtschaftsförderung halten, schließlich gilt in Deutschland inzwischen ja auch Rüstungsproduktion als Ersatz für den kollabierenden Fahrzeugbau. Der Ehrlichkeit halber sollte dann aber das Budget für die Bundesanwaltschaft vom Haushalt des Justiz- in den des Wirtschaftsministeriums verlagert werden. Und alle Folgekosten so transparent zusammengefasst werden, dass jeder Bürger nachvollziehen kann, wie vielen Rentnern dafür die Butter vom Brot genommen werden musste.

Aber zurück zu den Drohnen. Allein beim Media-Markt gibt es Hunderte unterschiedliche Drohnen im Angebot, irgendwo zwischen 50 und 3.500 Euro, und Zubehör bis zum Abwinken. Auf Amazon sieht es ähnlich aus. Auch alle Bauteile, um so ein Ding selbst zu basteln, finden sich da. Was wird uns zu Wunstorf erzählt? Es gebe da ein Teil aus einem 3D-Drucker. Irgendein Teil. Ehrlich, wer es schafft, einen 3D-Drucker zu bedienen, der schafft es auch, einzukaufen. Physisch oder online. Es gibt überhaupt keinen Grund, Drohnen irgendwie zu improvisieren. Um über irgendein Gelände zu fliegen und ordinäre Aufnahmen zu machen, erst recht nicht – zur Not tauscht man die Kamera gegen ein besseres Modell ...

Scharijs Zeuge aus Leipzig spricht von einem gewöhnlichen Modell, wie man es im Elektronik-Markt kaufen kann. Das ganze Gerede mit "3D-Drucker" dient vermutlich nur dazu, das Publikum davon abzulenken, dass Drohnen längst ein gewöhnlicher Alltagsgegenstand sind. In der Nähe von Flughäfen übrigens ganz besonders, denn es gibt nach wie vor sogenannte Planespotter, also Flugzeugfans, die gerne in der Nähe von Flugplätzen stehen und den Fliegern beim Starten und Landen zuschauen. Da überrascht es auch nicht, wenn sie gerne selbst kleine Geräte fliegen lassen.

Und ja, es gibt mittlerweile die Pflicht für einen Drohnenführerschein für den Betrieb größerer Drohnen, aber das heißt noch nicht, dass sich Drohnenfans daran halten. Genauso wenig wie an Verbote. Auch die Möglichkeiten für Paparazzi haben sich durch diese Technologie ausgeweitet. Die aktuelle Mode, aus jeder irgendwo herumliegenden Drohne eine Spionagegeschichte zu zimmern, ist langsam so, als würde man jedem Mann im Taucheranzug unterstellen, eine Pipeline sprengen zu wollen.

Besonders putzig war ja Ursula von der Leyen, die bezogen auf die Leipziger Drohne von "militärischem Material" sprach – das hatte bisher noch nicht einmal die Bundesanwaltschaft behauptet. Und die estnische Intelligenzbestie entdeckte da "staatlich finanzierten Terrorismus". Dabei hat da noch nicht einmal irgendetwas Bumm gemacht. Vielleicht könnten die deutschen Dienste ihre Spielzeuge demnächst wenigstens mit einem Tonchip versehen, der ein Bumm ertönen lässt? Nur so als stilistische Anregung ...

Na, wie auch immer: Man fragt sich natürlich automatisch, was in Wunstorf denn so interessant sein sollte, dass die tägliche Satellitenaufnahme nicht mehr genügt. Leipzig, ja, das kann man sich noch eingehen lassen. Da wäre es zumindest interessant, was in diese Antonows so geladen wird. Aber nachzählen, wie viele Flugzeuge in Wunstorf draußen auf der Piste stehen? Oder ob da schon irgendwelche F35 angekommen sind? Nein, Entschuldigung, dafür gibt es doch andere Mittel.

Das ist wie mit den "Fotos von Grafenwöhr". So aufregend wie die Fernsehzeitung des Vorjahres. Da gibt es doch sowieso einen Tag der offenen Tür, an dem man das ganz entspannt anschauen kann. Und alles, was noch aus Zeiten des Kalten Krieges stammt, liegt sowieso auf den Quadratzentimeter kartiert in den Akten.

Dummerweise sind die Mitarbeiter der deutschen Leitmedien nicht einmal selbstbewusst genug, um irgendwann zu erklären, sie seien es leid, immer solchen Unsinn schreiben zu müssen. Sie beten das stattdessen brav alles nach. Und jeder, der Interesse daran hat, das Kriegsgegröle in Deutschland noch ein Stück weiter aufzudrehen oder die Aufträge für die Rüstungsindustrie hochzuschrauben oder die Bevölkerung hinter jedem Baum russische Agenten sehen zu lassen, kann in den nächsten Elektronikmarkt laufen, eine Billigdrohne erwerben und irgendwo in der Nähe einer Kaserne in die Landschaft werfen. Dann muss man nur noch in Karlsruhe anrufen, und fertig ist die nächste Schlagzeile.

Wenn der ganze Zirkus nicht dazu dienen würde, echte, lebende Menschen weiter in den Fleischwolf zu werfen, um noch ein paar Milliarden aus dem Krieg in der Ukraine zu saugen und sich die Option eines Kriegs gegen Russland offenzuhalten, man könnte herzlich darüber lachen. Aber dafür ist der Preis, den diese absurden Inszenierungen fordern, einfach zu hoch.

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